Energieversorgung: Raus aus der Blackbox!

Rund 30 Prozent der Energie, die wir verbrauchen, geht in die Gebäudebewirtschaftung. Wenn wir unsere Klimaziele erreichen wollen, muss sich das ändern; wir müssen lernen, viel effizienter mit der Energie umzugehen. Die Technologiestiftung weist seit einiger Zeit darauf hin, dass die digitale Steuerung der vorhandenen Energiekreise bereits viel bringen kann. Jetzt haben wir ein Team von Ingenieuren beauftragt, belastbare Zahlen zu den Einsparpotenzialen zu ermitteln. Bei einem Workshop wurden erste Ergebnisse vorgestellt. Die anschließende Diskussion zeigte, dass die technische Machbarkeit alleine nicht reicht, um das Thema voranzubringen – aber auch, dass die Dinge langsam in Bewegung kommen.

Bisher ordnet die Wohnungswirtschaft den Gebäudebestand bestimmten Gebäudetypen zu, ermittelt den Energieverbrauch und schätzt dann mögliche Einsparpotenziale. Das ist zwangsläufig ungenau und liefert kaum belastbare Informationen dazu, wo man für die Einsparungen eingreifen sollte. Ein erstaunlicher Befund angesichts der Größe des Problems und des bestehenden Zeitdrucks.

Akzeptanz für digitale Haustechnik steigt

Aktuelle Sensorik ermöglicht es, die Energieströme mit hoher zeitlicher Auflösung zu überwachen. Bereits ein autarkes Gateway pro Gebäude, das die Daten an eine Plattform überträgt und damit wertvolle Daten zu den Energieströmen übermittelt, ermöglicht es, effizienter mit der Energie umzugehen und Einsparungen zu erreichen. Mittlerweile sind Verständnis und Akzeptanz für solche Datenerhebungen gewachsen. Doch wegen der Kosten, die das Umrüsten im Bestand verursacht, setzt sich das Submetering nur langsam durch, sieht man vom Gewerbeimmobilienbereich einmal ab. Die Expert:innen sprechen vom Mieter-Vermieter-Dilemma.

 

Neue Rahmenbedingungen schaffen Bewegung

Dass es möglich ist, Mieter:innen mit dem Hinweis auf die Potenziale für die teure Umrüstung zu begeistern und damit das Problem zu lösen, ist fraglich; für viele auch, ob die Kosten überhaupt einfach an die Mieter:innen abgewälzt werden können.

Jetzt kommt endlich Bewegung in die Sache. Denn die Rahmenbedingungen ändern sich. Der gesetzliche Energieausweis, der bisher die Energiebilanz von Häusern ausweist, wird schrittweise überarbeitet und die digitale Welt überführt. Gebäude sollen zukünftig nach einem Smart Readiness Indikator kategorisiert werden und müssen damit viel mehr Informationen über ihre Gesamtperformance preisgeben. Auch bei den Energieabrechnungen ändert sich einiges: Diese müssen zukünftig auf Anfrage der Mieter:innen monatlich erfolgen – eine Regelung, die sich mit den bisherigen technischen Bedingungen für sehr viele Wohnungen gar nicht realisieren lässt. Es besteht also dringender Handlungsbedarf zur Digitalisierung der Gebäude und ihrer Schnittstellen für eine zukunftsfähige Kommunikation, die nicht zuletzt  den Nutzer:innen zugute kommt.

Jetzt sind Politik und Verbände gefragt, die digitale Modernisierung des Gebäudebestandes, insbesondere die der Wohnbauten, zu organisieren, die Mieter:innen mitzunehmen und auch zu klären, wer die Kosten trägt.

Fest steht, dass alleine die digitale Erfassung und ein unterjähriges Monitoring der Energieströme ein Riesenschritt nach vorne wären. Denn wie sollen wir ein Problem bewältigen, dass wir nicht einmal hinreichend erfasst haben?

Die Ergebnisse der Studie zu den Energieeinsparpotenzialen mit digitalen Technologien, die wir aus einer Zuwendung der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe finanzieren, werden wir noch in diesem Jahr näher vorstellen. Wenn Sie die Studie erhalten wollen, melden Sie sich gerne bei uns, so dass wir Ihnen nach der Publikation der Studie zeitnah den Link zuschicken können.