„EduTechs: Viel Idealismus vor dem Hintergrund eines brennenden Bedarfs“

Heute geht die EduTechMap Berlin online. Die Seite, die unser Bereich Empowerment & Capacity Buildung initiert und umgesetzt hat, bietet für die Hauptstadtregion einen Überblick über digitale Angebote im Bildungsbereich - von Inhalten wie Coding-Angeboten über digitale Lehr-& Lernmaterialien bis hin zu Organisations-Tools. Im Interview erläutert Dr. Dieter Müller, warum diese Seite in seinem Bereich ins Leben gerufen wurde und was sie bietet.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, das Thema >EduTechs aus der Hauptstadtregion< online im Überblick sichtbar und zugänglich zu machen?

Dieter Müller: Wir hatten Ende 2018 EduTechs - also Anbieter im Bereich der digitalen Bildung und der Bildungstechnologien - angeschrieben und zu einem Treffen eingeladen, weil unsere Wahrnehmung war, dass hier sehr viele sehr engagierte Menschen an dem Thema arbeiten, aber nicht ausreichend Netzwerke zur Verfügung stehen, über die man sich austauschen kann. Über die riesige Resonanz auf die Einladung war ich dann aber selbst erstaunt. Und obwohl so viel passiert, haben auf der anderen Seite viele potenzielle Nutzerinnen und Nutzer kaum einen Überblick über das Angebot. Während sich Lehrerinnen und Lehrer immerhin noch untereinander austauschen können, sind beispielsweise Eltern in diesem Bereich ganz auf sich gestellt. Auch sprechen Anbieter und Nutzer häufig nicht die gleiche Sprache. Dadurch wird es schwer, denn die Szene ist unübersichtlich. Vor dem Hintergrund eines brennenden Bedarfs sind viele Angebote mit großem Idealismus entstanden.

Sehr viele Pädagoginnen und Pädagogen entwickeln aus ihrer Praxis heraus digitale Lern- und Lehrmaterialien und machen diese ohne kommerzielle Interessen zugänglich. Daneben sind inzwischen etliche Verlage in diesem Bereich tätig, neue Unternehmen entwickeln Inhalte und Technologien und auch Einrichtungen wie die Schülerlabore oder auch die Technologiestiftung machen digitale Bildungsangebote. Wir beispielsweise haben die Materialien, die im Zusammenhang mit unserem Projekt „Coding Klassenfahrt“ entstanden sind, als frei lizenzierte Bildungsmaterialien (OER) online gestellt. Wir verleihen aber auch Hardware für Coding-Projekte – unsere Hacking Box – und bieten Beratung zu ihrem Einsatz.

Auf der EduTechMap Berlin ist jetzt zusammengetragen, was wir derzeit in der Hauptstadtregion – also in Berlin und dem nahen Umland einschließlich Potsdam – an EduTechs und digitalen Angeboten kennen. Das sind zurzeit 130 Angebote, die auf der Karte auffindbar sind und die man sich nach vier Kategorien filtern lassen kann: Neben Software/Apps haben wir aufgenommen, wer Hardware anbietet oder audiovisuelle Inhalte produziert, und welche Services, Plattformen und digitalen Dienstleistungen es rund um Bildungseinrichtungen gibt.

Alle Anbieter wurden angeschrieben und gebeten, sich selbst einer der Kategorien zuzurechnen und die anderen Angaben durchzusehen, die wir jeweils zu ihnen online stellen wollen. Ich kann aber nicht ausschließen, dass wir ein Angebot vergessen haben oder sich kleine Fehler eingeschlichen haben. In diesem Fall freuen wir uns auf entsprechende Hinweise per Mail. Eins unserer Ziele haben wir unabhängig davon bereits erreicht: Mit der Seite bieten wir endlich eine Übersicht über die Szene in Berlin und ermöglichen Recherchen, die bisher sehr zeitaufwändig waren. Damit erleichtern wir es allen, ihren Unterricht, ihre Workshops oder anderen Bildungsveranstaltungen digital anzureichern oder zu managen.

Man kann also - aktuell -130 EduTech-Angebote online recherchieren und filtern. Was bietet die Seite über diese Übersicht hinaus?

Dieter Müller: Wir haben großen Wert darauf gelegt, die Informationen für verschiedene Zielgruppen jeweils möglichst optimal zu präsentieren. Schließlich dürfte es einen ziemlichen Unterschied machen, ob ich aus einer Institution heraus Anbieter für Management Tools suche oder ob ich privat als Elternteil unterwegs bin, um ein Coding Angebot für meine elfjährige Tochter zu finden.

Zu allen präsentierten Angeboten stellen wir umfassende Informationen zu Verfügung, nennen die Kontaktdaten und verlinken auf die Seiten. Es ist auch möglich, nach Berliner Bezirken zu filtern und man kann sich seine eigene Favoritenliste mit besonders interessanten Angeboten erstellen, die man dann leicht wiederfindet.

Besonders interessant finde ich übrigens unsere Kategorie mit digitalen Dienstleistungsangeboten für Bildungseinrichtungen, also Service/Plattform/Dienstleistung. Denn viele Schulen begegnen inzwischen dem Papierberg in der Verwaltung durch digitale Tools, benutzen für die Lernbegleitung ihrer Schüler*innen womöglich unterschiedliche weitere Tools und haben für den Fachunterricht wieder andere Apps beschafft. Diese einzelnen Bestandteile greifen aber häufig noch nicht ineinander.

Ich würde mich daher freuen, wenn wir hier mit unserer EduTechMap Berlin dazu beitragen, interessierten Schulen den Aufbau von Übersichtswissen für Digitalisierungsprojekte zu erleichtern. Das soll es leicht machen, die Möglichkeiten der Digitalisierung auch wirklich gut zu nutzen.

Und in Zukunft?

Dieter Müller: Ich verstehe diese Seite nur als Momentaufnahme, als Impuls der Technologiestiftung, die Akteure der digitalen Bildung weiter miteinander zu vernetzen: Es ist eine Einladung an all unsere Netzwerkpartner*innen in Bildungseinrichtungen, in Unternehmen, Verwaltung und an die vielen Idealisten, mehr über die jeweils Anderen herauszufinden.

Wir hoffen, dass dieser erste Schritt dazu beiträgt, in Zukunft bei digitalen Projekten schneller voranzukommen – sei es bei der Auswahl geeigneter Sensoren für mein Biologie-Projekt oder einem Tool für die Schulverwaltung, welches einen guten Datenschutz bietet.

Und vielleicht ergeben sich daraus weitere Synergien und weiterer Diskurs über die Hauptstadtregion hinaus, wir würden das auf jeden Fall begrüßen.

Daher geht auch nochmal an alle die Einladung, die Karte zu ergänzen, Fehler zu korrigieren und uns Hinweise zur Verbesserung aus Anbieter- und Nutzersicht zu geben.