Digitalisierung: Revolution oder Modebegriff für vieles, was neu daherkommt?

In der Regel gilt ja, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt. In diesem Fall habe ich allerdings Zweifel.

Gestern beim Fördervereinsabend mit Brigitte Zypries gingen die Meinungen zur Digitalisierung sehr weit auseinander. Zunächst hatte die Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium die digitale Agenda der Bundesregierung vorgestellt. Sie wies darauf hin, dass sich im Rahmen der Digitalisierung nicht nur die Prozesse ändern (Stichwort Industrie 4.0). Auch die Produkte verändern sich und werden smart - und das nicht nur im Hightech-Bereich. Die Bundesregierung stellt Forschung und Entwicklung im Rahmen der digitalen Strategie umfassende Informationen zur Verfügung und fordert dazu auf, sich mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen.

Wie viel ändert sich wirklich?

Erstaunlich viele der anschließenden Wortmeldungen zielten darauf, die Analyse von den umfassenden Veränderungen zu relativieren. Tenor: Innovation ist nichts Neues, jeder sollte sich selbst überlegen, was er für sich aus der Digitalisierung übernehmen will und niemand solle glauben, dass sich in den nächsten Jahren grundsätzliche Umwälzungen ereignen würden.

Ich glaube, der Irrtum besteht darin, sich unter einer Revolution eine plötzliche und deshalb deutlich spürbare Veränderung von heute auf morgen vorzustellen. Dagegen wachsen wir kontinuierlich in die digitale Zukunft hinein. Brigitte Zypries hatte für ihre These, dass sich nicht nur Prozesse, sondern auch Produkte grundsätzlich verändern, Schuhe angeführt. Das Beispiel gefällt mir, weil Schuhe zunächst mal wenig mit Hightech zu tun haben. Mittlerweile werden aber selbst solche "untechnischen" Produkte smart gemacht und das nicht nur, um eine technische Spielerei zu realisieren, sondern aus einem sehr seriösen Grund. Die Sensoren messen nämlich Bewegungsabläufe und unterstützen oder korrigieren den Gang ihrer Träger.

Wenn sich also selbst Schuster über die Digitalisierung Gedanken machen, zeigt das, dass die Digitalisierung längst den Kommunikations- und Medienbereich verlassen und  alle Lebensbereiche erreicht hat. Auch die vertrautesten Produkte werden sich verändern, weil sie zukünftig beispielsweise maßgeschneidert hergestellt und/oder mit Assistenzfunktionen ausgestattet werden und das zum Nutzen des Verbrauchers.

Natürlich muss die Datensicherheit gewährleistet sein, geklärt werden, wem die Daten gehören etc. -An solche Themen erinnern Skeptiker gerne und zu Recht. Aber es scheint mir wichtig, mitzugestalten und sich nicht auf grundsätzliche Bedenken zu konzentrieren. Dann werden die Chancen deutlich. -Wer weiß, was sich beispielsweise aus den als Open Data aufbereiteten Daten der Smartschuh-Träger machen ließe?

Grundsätzlich bin ich überzeugt: Die Unsicherheiten werden die allgemeine Entwicklung, sprich: die digitale Revolution, nicht aufhalten. Sie findet täglich statt!

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