„Die meisten sind schnell begeistert von Open Data“

Am 16. Mai stellten wir gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe die neue Open Data-Informationsstelle (ODIS) vor. Die Stelle bietet allgemeine Informationen, betreut aber auch zu technischen Details und entwickelt die Open Data-Instrumente für Berlin weiter. Im Interview erläutert Victoria Dykes, die ODIS betreut, wieso sie sich für die Weiterentwicklung von Open Data in Berlin engagiert und wie sie sich die ODIS-Arbeit vorstellt. 

Berlin bekennt sich zu Open Data und stellt auf der Seite www.daten.berlin.de zurzeit rund 1.700 Datensätze zur Verfügung. Wie bewertest Du die momentane Situation?

Ich finde, 1.700 offene Datensätze sind ein gute Ausgangspunkt. Das Thema Open Data ist in der Verwaltung allgemein bekannt und anerkannt. Ich treffe überall aufgeschlossene Gesprächspartner*innen. Allerdings fehlt manchmal das Bewusstsein dafür, wie wertvoll die Daten der eigenen Behörde für andere sein können. Zudem ist oft niemand im Team explizit für Open Data zuständig und weiß, wo und wie man die Daten veröffentlichen kann. Einfach nur Daten in Form von Handouts zu veröffentlichen, reicht ja nicht. Also: Es gibt sehr viel guten Willen, aber auch noch viel Informationsbedürfnis zum Thema Open Data. Das wissen wir. Wir haben in den zurückliegenden Monaten Interviews mit Beschäftigten der Verwaltung geführt und kennen die Hürden. Wir informieren deshalb nicht nur allgemein, sondern beantworten technische Detailfragen, begleiten auf Wunsch die Veröffentlichung der Daten auf dem Portal und bringen die Leute aus unterschiedlichen Bereichen für einen Erfahrungsaustausch zusammen. 

Ich denke auch über Automatisierungsprozesse für die Datenpflege nach. Wir sind sehr bestrebt, hier die Technik arbeiten zu lassen, wo immer es möglich ist. 

Sollte man auf ODIS zugehen oder geht Ihr zu den Leuten?

Ich bin bereits mit verschiedenen Behörden im Gespräch und habe einige Vorhaben auf dem Tisch. Wir werden darüber hinaus Leute gezielt ansprechen, die mit interessanten Daten umgehen. Aber niemand muss warten, bis wir uns melden. Alle Behördenmitarbeiterinnen und –mitarbeiter sind herzlich eingeladen, Kontakt zu mir aufzunehmen. Die meisten, die mit dem Thema in Berührung kommen, sind schnell begeistert von der Möglichkeit, Daten zu teilen und neue Projekte zu ermöglichen. Das macht Spaß und aus Erfahrung weiß ich, dass das Thema nicht als zusätzliche Belastung angesehen wird, sondern sich schnell zu einer Dienstleistungen entwickelt, die man gerne erledigt. 

Übrigens sind nicht nur aktuelle Daten interessant. Es ist beeindruckend, was in Berlin alles in Zahlen festgehalten worden ist. Beispielsweise gibt es seit den 1880er Jahren genaue Aufzeichnungen zur Höhe des Grundwasserspiegels von Jahr zu Jahr. Welche Geschichten kann man da erzählen! Und vielleicht ist das auch für den Immobilienmarkt interessant? Ich bin da keine Expertin, aber gerade das ist ja das faszinierende an Open Data, dass die Möglichkeiten oft erst klar werden, wenn die Daten auf dem Tisch liegen.

Man merkt Dir an, dass Du von Open Data überzeugt bist. Hast Du schon länger mit dem Thema zu tun?

Ja, das Thema beschäftigt mich schon länger. Ich habe an der Herthie School of Governance „Public Policy“ studiert. Man könnte das etwas ungenau mit „Verwaltungsmanagement“ übersetzen. Dort habe ich bei dem Projekt DIGIWHIST mitgearbeitet. Das Projekt hat sich mit öffentlicher Auftragsvergabe und Transparenz innerhalb der EU beschäftigt und dafür natürlich auf offene Daten zurückgegriffen, die auf Opentender.eu veröffentlicht und analysiert werden. Aus diesem Zusammenhang weiß ich, dass Deutschland zum Thema durchaus Nachholbedarf hat. Da sind andere europäische Länder weiter. Insbesondere die osteuropäischen Länder, die alles neu aufbauen, konnten die digitalen Möglichkeiten von Anfang an nutzen und haben das auch getan. Ich finde, das sollte ein Ansporn sein, tätig zu werden. 

Das ist interessant und entspricht vermutlich nicht der Selbstwahrnehmung. Hast Du vielleicht als Amerikanerin einen genaueren Blick auf Deutschland als die Deutschen selbst?

Jeder schaut von seiner Warte aus. Für mich ist es beispielsweise auch wichtig, dass ich Fulda und Marburg kenne, wo ich in den ersten Jahren gelernt und studiert habe. Berlin ist nicht unbedingt typisch für das ganze Land. Aber wie auch immer: Deutschland hat mich interessiert, seit ich elf Jahre alt war und wir eine Austauschschülerin bei uns zu Besuch hatten. Und das Land hat mich nicht enttäuscht. Ich bin hier mittlerweile zuhause.