Wie Berlin in die Zukunft starten will

Ein Blogbeitrag von Thomas Prinzler, Wissenschaftsredakteur bei rbb Inforadio

Berlin will die Nummer Eins für die digitale Zukunft der Gesellschaft werden. Dazu wollen die Hochschulen und Universitäten mit Unterstützung des Senats ihre Kompetenzen ausbauen.  55 Professuren wurden 2016 dafür ausgeschrieben, vor einem Jahr das Einstein Center Digitale Zukunft gegründet und vor einem halben Jahr das Weizenbaum Institut für die vernetzte Gesellschaft in Berlin angesiedelt.

„Ich finde Berlin ganz toll“, sagt Prof. Odej Kao, Sprecher des Einstein Centers. „Wenn man sich anschaut, was im Bereich der Universitäten und der Forschungseinrichtungen passiert und vor allem, was im Bereich der Technologiestiftung und der Startups passiert, dann ist die Zukunft genau hier.“ Für den Informatiker Kao steht fest: Berlin hat (fast) alles richtig gemacht. Reserven liegen im Ausbau der digitalen Infrastruktur, auch wünschten sich die Wissenschaftler von der Politik mehr Freiräume für Pilotprojekte. Aber für Menschen, die zur Digitalisierung forschen, sei die Stadt richtig attraktiv, betont auch die Soziologin Jeanette Hofmann vom Wissenschaftszentrum Berlin und Principal Investigator am Weizenbaum Institut. „Nirgendwo sonst konzentrieren sich so viele Ressourcen auf Internet- und Digitalisierungsforschung wie in Berlin“, so Prof. Hofmann und darum sei es ihrem Institut nicht schwer gefallen, 60 Doktorandenstellen zu besetzen. 

Jochen Rabe ist einer der ersten Professoren der 55 neuen Professuren, von denen bisher 20 besetzt sind. Für den aus der Wirtschaft kommenden Stadtplaner ist insbesondere die fachübergreifende Zusammenarbeit am Einstein Center attraktiv. Er habe jetzt mit der Digitalisierung die Möglichkeit, die Stadtplanung komplett zu verändern. Die Daten seien so detailliert, „dass Stadtplanung am offenen Herzen möglich ist. Wir können, modellieren, simulieren, testen“ – und das fast in Echtzeit. 

Dieser sehr schnelle Zugang zu Informationen, so Odej Kao, sei erst der Anfang. „Zukünftig werden Information verarbeitet, um daraus Entscheidungen abzuleiten.“

Als Beispiel nennt Kao die Digitalisierung der Straße des 17. Juni. Die wird in einem umfassenden Pilotprojekt mit Sensoren versehen, die Informationen zum Verkehr erfassen und aussenden und damit helfen, Entscheidungen zu treffen. „Ich suche nach einem freien Parkplatz, der wird angezeigt und ich muss nicht mehr rumkurven und die Umwelt verpesten.“ 

Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender Technologiestiftung Berlin, fragt jedoch auch nach den Folgen. „Weil Dinge digitalisierbar sind, heißt das nicht, dass wir das wollen, dass es gut und richtig ist. Die Kernfrage ist, wie viel Einfluss wollen wir auf die Digitalisierung nehmen und welche Alternativen wollen wir bieten?“

Technische Entwicklungen finden immer in Interaktion mit sozialen Kontexten statt, sagt Prof. Hofmann. „Technikentwicklung ist kein Prozess außerhalb der Gesellschaft.“ Wenn es aktuell Diskussionen um den Datenmissbrauch durch Facebook und Cambridge Analytica gibt, liegt das auch daran, so Nicolas Zimmer, „dass wir diese Netzwerke und Daten privaten, gewinnorientierten Unternehmen überlassen haben.“ Grundsätzlich sei das in Ordnung, findet er, nicht aber in der umfassenden Art und Weise. „Wir verschieben Daseinsfürsorge dahin, wo es nicht hingehört“, meint denn auch Jochen Rabe. Er ist sich mit den anderen einig, dass es über die Frage, wen man die Digitalisierung betreiben lässt, eine gesellschaftliche Diskussion geben müsse. 

Die Ausstrahlung findet am Sonntag, den 29.04. statt. Alle bisherigen Sendungen finden Sie hier. 

Der 94. Treffpunkt WissensWerte fand im Rahmen der Berliner Stiftungswoche 2018 am 17. April 2018 um 17:00 Uhr mit freundlicher Kooperation mit dem Einstein Center Digital Future statt. 

Moderation:

Thomas Prinzler Wissenschaftsredaktion Inforadio (rbb)

Podium:

Prof. Dr. Jeanette Hofmann, Direktorin des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft, Leiterin der Projektgruppe Politikfeld Internet im Wissenschaftszentrum Berlin für SozialforschungPrincipal Investigator des Weizenbaum-Instituts für die vernetzte Gesellschaft

Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender Technologiestiftung Berlin