DAO-Token als Wertpapier: Hemmnis oder proof of market?

Das Handelsblatt vom 4. August berichtet, dass eine Studie der US-Finanzmarktaufsicht SEC zu dem Schluss gekommen ist, dass es sich bei Token-Sales von Anteilen an dezentralen autonomen Organisationen (DAOs) oder bei Initial Coin Offerings (ICO) zumindest in den USA um registrierungspflichtige Wertpapiergeschäfte handeln kann. Was bedeutet das?

DAOs und smart contracts sind neue, Blockchain-basierte Methoden, mit denen man Geschäftsbeziehungen organisieren kann, die weit über Zahlungsabwicklungen oder verteilte Register hinausgehen, bis hin zum völlig virtuellen dezentralen Unternehmen. Was DAOs genau sind, wie sie funktionieren und wie man mit Blockchains auch eine Vielzahl weiterer neuer Digitalwährungen schaffen kann, hat Shermin Voshmgir in unserem Report „Blockchains, Smart Contracts und das dezentrale Web“ ausführlich erklärt.

Der Report weist auch darauf hin, dass unzureichende oder fehlende Regulierung wegen der damit verbundenen Rechtsunsicherheit ebenso ein Hemmnis für deren schnelle Verbreitung sein kann wie ein Übermaß an Regulierung. Vor diesem Hintergrund ist es ausgesprochen spannend, dass ein erster Schritt zur Klärung der Rechtsnatur solcher Geschäfte getan ist.

Die einen dürften darin noch zu wenig Regulierung sehen, während andere darauf hinweisen werden, dass die Einhaltung von Standards für Wertpapiergeschäfte wie die Registrierung eines Emissionsprospektes den Aufwand und die Kosten erhöht. Aber was kommt, wenn die erwartbaren Reaktionen vorbei sind? Ein solcher Vorbote einer kommenden Regulierung ist für Glücksritter des grauen Kapitalmarktes vermutlich keine gute Nachricht ist und komplizierte Regeln können leider auch dazu führen, dass es selbst für die Pioniere schwerer wird, ihre eigenen Erfindungen auch zu nutzen.

Ich neige allerdings zu der Auffassung, ein solches Signal als proof of market und als die beste Werbung anzusehen, die sich die Protagonisten solcher Technologien wünschen können. Ich erwarte nämlich, dass es die Professionals aus der Branche der Unternehmensfinanzierer neugierig machen sollte, sich mit DAOs zu beschäftigen und entsprechende Instrumente zu erproben, verbunden mit deutlich gestiegenen Chancen für die Verbreitung der Technologie. Es macht nämlich einen großen Unterschied, ob eine große Behörde feststellt, dass man auf dieser Basis tatsächlich Fonds gründen und Unternehmen finanzieren kann, oder ob man zunächst Dolmetscher für Techie-Sprech braucht, um den Kern des Technologie-Nutzens zu erkennen.

Weitere Informationen:

Artikel im Handelsblatt vom 4. August
Pressemitteilung der US-Finanzbehörde

 

 


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