Auch mit Technologie fahren wir leider nicht ins Paradies auf Erden

In Berlin hat die Zukunft schon begonnen. Mehr als die Hälfte der Menschen in der Innenstadt hat kein eigenes Auto mehr. Die Leute gehen zu Fuß, nutzen das Rad und die öffentlichen Verkehrsmittel oder mieten zu bestimmten Anlässen mal ein Auto, das nie lange rumsteht. Sie lassen erahnen, wie sich die Expert*innen, die gestern beim Treffpunkt WissensWerte diskutierten, den vernetzten Verkehr von morgen vorstellen.

Die technischen Möglichkeiten zeigte Kim Mahler auf, der sich am Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik Heinrich-Hertz mit der Verarbeitung von Verkehrsdaten beschäftigt. Wir werden in der Zukunft unterwegs immer stärker von Assistenzsystemen unterstützt werden: Autofahrer*innen mit Fahrassistenten, die zum Beispiel auf langweiligen langen Strecken entlasten, Nutzer*innen öffentlicher Verkehre über immer leistungsfähigere Navigationssysteme, die das Aus- und Umsteigen erleichtern.

Sigrid Nikutta, die Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), und Prof. Andreas Knie, Geschäftsführer des InnoZ, gehen einen Schritt weiter und sehen in der neuen technologischen Entwicklung eine Chance, den Verkehr von morgen anders zu organisieren. Nikutta plädiert dafür, den öffentlichen Nahverkehr als das Rückgrat des Verkehrs von morgen zu begreifen, mit schnellen Takten und attraktiven Anschlüssen. Autofahrer*innen steigen am Stadtrand um und bewegen sich mit Bussen und Bahnen ins Zentrum. Knie will auch eine gerechtere Verteilung der Verkehrskosten durchsetzen und ein Umdenken einleiten. Beispielsweise sollte seiner Meinung nach deutlich werden, dass Parken eine - bisher - unentgeltliche Besetzung öffentlicher Flächen ist, die schleunigst abgeschafft gehört und bis dahin deutlich teurer werden muss. Die beiden sprechen mir, Innenstadtbewohnerin ohne Auto, aus der Seele.

Die Visionen hören sich wunderbar an: mehr Platz, mehr Grün, mehr Komfort, weniger Lärm. Es klingt so wunderbar, dass Thomas Prinzler von Inforadio schließlich  provokativ fragt, ob denn nun das Paradies vor der Türe steht. Da müssen leider alle etwas zurückrudern. Klar wird, dass sich die Entwicklung nicht von heute auf morgen vollziehen wird, dass wir in kleinen Schritten denken müssen und dass das, was im verdichteten Raum Berlin funktionieren wird, noch lange keine Rezept für alle Verkehrsräume ist. Für Berlin aber sollte es möglichst bald möglichst deutlich in die beschriebene Richtung gehen, finde ich.

Die ganze Diskussion wird am Sonntag, 20. November, um 9.22 Uhr und um 19.22 Uhr auf Inforadio ausgestrahlt.