2040 wird die Stadt smart sein – und sehr anders

Leiser, sauberer, grüner: Der Einsatz von digitalen Technologien kann unsere Städte lebenswerter machen - wenn er strategisch angegangen wird. In Berlin wurde jetzt eine "Smart City-Charta" für Deutschland vorgestellt. Sie soll die Kommunen dabei unterstützen, die Weichen richtig zu stellen. Kollegin Anne-Caroline Erbstößer war in der vorbereitenden Arbeitsgruppe. Im Interview stellt sie die wichtigsten Punkte vor und wagt einen Ausblick auf Smart City 2040.

links: Anne-Caroline Erbstößer

Frage: Die meisten deutschen Städte haben mit der Digitalisierung begonnen. Sie messen ihre Luftqualität über Sensoren, lenken ihre Ampeln per Computer oder ermöglichen den Bürgerinnen und Bürgern die Terminabsprache im Netz. Sind diese Städte smart?

Anne-Caroline Erbstößer: Ich würde sagen, dass die meisten Städte gerade die technologischen Voraussetzungen schaffen, sich entsprechend zu entwickeln. Aber der Einsatz digitaler Technologien alleine macht die Smart City nicht aus. In der Smart City begreifen sich die Verwaltungen als Serviceplattform, im ständigen Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern. Viele Prozesse werden nicht einfach besser, sondern anders.
Nehmen wir als Beispiel die Stadtplanung: Zum einen wird der Dialog zwischen Verwaltung und Bürgerschaft interaktiv. Zum anderen arbeitet die smarte Planung mit viel mehr Daten als die analoge. Außerdem verändern sich die Rahmenbedingungen: In der smarten Stadt werden deutlich weniger Autos unterwegs sein. Es wird rund um die Mobilität ganz andere Geschäftsmodelle geben, Innenstädte verändern sich, weil Einkaufen nicht mehr beim Bummeln in der Fußgängerzone geschieht... Alleine an diesem Beispiel wird deutlich, dass es um viel mehr als um technologische Fragen geht.

Frage: Was können die Städte und Kommunen tun, um sich auf die Veränderungen einzustellen?

Anne-Caroline Erbstößer: Es ist es wichtig, die Chancen zu sehen, die mit den Veränderungen verbunden sind, und eine Smart City-Strategie zu haben. Digitalisierung ist nicht die Aufgabe der IT-Abteilungen, Smart City-Themen sind Chefsache. Allerdings kann der Chef nicht von oben anordnen, was zu tun ist. Alle in der Verwaltung müssen den Mentalitätswandel mitvollziehen und sich entsprechend qualifizieren. Außerdem müssen alle Bürgerinnen und Bürger mitgenommen werden.
Das bedeutet, dass alle Einwohner an die notwendige Infrastruktur angeschlossen werden müssen. Die Smart City-Charta spricht erstmals davon, dass die Versorgung mit der entsprechenden technischen Infrastruktur Teil der Daseinsvorsorge ist und entsprechend eingeklagt werden kann.

Frage: Das kommt ja einiges auf die Kommunen zu. Können sie das wirklich schultern?

Anne-Caroline Erbstößer: Was ich umrissen habe, vollzieht sich über einen längeren Zeitraum. Außerdem werden sich der Stadt Partner anbieten. Die Stadt muss eine Vorstellung davon entwickeln, was sie alleine machen will, was sie mit privaten Anbietern zusammen machen und was sie solchen Privaten ganz überlassen will. Die Diskussion - man kann vielleicht sogar sagen: der Kampf - hat längst begonnen.
Dabei sollten die Kommunen sich der Tatsache bewusst sein, dass sie sehr viele, sehr kostbare Daten besitzen und mit diesen Daten sehr viel gestalten können. Ich glaube, das ist ihnen nicht immer klar.
Ich finde in diesem Zusammenhang auch die Rekommunalisierungsbewegung sehr spannend. Jetzt, wo es um die Gestaltung der Zukunft geht, ist es sinnvoll, nicht gewinnmaximiert, sozial ausgewogen und integrativ zu planen und zu handeln. Und dafür bringen Verwaltungen und öffentliche Betriebe in einem hohen Maße die Voraussetzungen mit.

Mehr zur Charta