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30.11.2016

"Wasser 4.0, Smart City und Digitalisierung entwickeln sich zu Riesen-Themen."

Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden der Berliner Wasserbetriebe Jörg Simon zu den Erwartungen, die er mit dem verstärkten Engagement für das Kompetenzzentrum Wasser verbindet.


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Am 1. September haben die Technologiestiftung Berlin und die Berliner Wasserbetriebe/Berlinwasser Holding zu gleichen Teilen die Anteile von Veolia am Kompetenzzentrum Wasser (KWB) übernommen. Das KWB hat sich weit über Berlin hinaus in der Branche einen hervorragenden Ruf erarbeitet und trägt damit dazu bei, dass Berlin heute ein einzigartiger Standort der Wasserkompetenz ist. Auch wenn in Berlin oft nur von den Clustern Mobilität, Gesundheit, Medien und Energie gesprochen wird, hat sich der Bereich Wasser und Umwelt mit den Universitäten, dem KWB, den Aquanet-Unternehmen und natürlich mit den Berliner Wasserbetrieben auch längst dahin profiliert. Es muss jetzt besser gelingen, die bereits vorhandene Kompetenz der Politik zu vermitteln. So kann das Stadtwachstum nachhaltiger und intelligenter gestaltet werden.

Berlin entwickelt sich rasant. Die Einwohnerzahlen steigen nach einer Phase der Stagnation. Auf welche Herausforderungen müssen sich die Berliner Wasserbetriebe hier einstellen? Mit welchen Fragen sollte sich in diesem Kontext die Forschung beschäftigen?

Wir wollen vor allem den in Berlin vergleichsweise eng geschlossenen Wasserkreislauf dauerhaft in guter Funktion sichern. Daraus ergeben sich viele Herausforderungen, denn unsere breiten Flüsse Spree und Havel gaukeln uns einen Wasserreichtum vor, den es so ja nicht gibt. Das bedeutet etwa, Entwicklungen zum Thema Spurenstoffe besser zu verstehen und - falls erforderlich - entgegenzusteuern. Wir wollen alles dafür tun, unsere Ressourcen in einem guten Zustand zu halten, um damit Menge und Qualität zu sichern für den Fall, dass Berlin mittelfristig auf mehr als vier Millionen Einwohner wächst.

Zum Thema Klimawandel: In diesem Sommer gab es einige heftige Regenfälle, die sicherlich auch in die Berliner Regen-Statistik eingehen werden. Die bis 2020 geplanten Rückhaltebauwerke werden wohl nicht ausreichen, die durch Mischwasserüberläufe verursachten Gewässerqualitätsprobleme umfassend zu lösen. Das Projekt KURAS hat gezeigt, dass durch Kopplung von dezentralen Maßnahmen und intelligenter Kanalnetzsteuerung positive Effekte erzielt werden können. Sollte hier noch weiter geforscht werden?

Unbedingt. Das laufende Stauraumprogramm zeigt zwar an vielen Stellen bereits heute stark spürbare Erfolge, dies ist aber mit der in etwa Halbierung der früheren Überlaufmengen nur eine Etappe. Hier braucht es dann ein neues Sanierungsziel für die Dekaden nach 2020. Und das wird allein mit Stauraum nicht zu machen sein, denn dafür wird der Platz in der Stadt allmählich knapp. Der kluge Umgang mit dem Regenwasser ist ein gesamtgesellschaftliches Thema, zu dem wir als Wasserwirtschaftler natürlich wichtige Beiträge leisten. Deshalb müssen die KURAS-Ergebnisse im Verbund von uns und den öffentlichen und privaten Eigentümern von Flächen und Immobilien umgesetzt und dabei auch wissenschaftlich begleitet werden. Gerade bei den neu zu bebauenden Flächen ist da das Potenzial immens.

Begriffe wie "Smart City" und "Digitalisierung" sind aus Zukunftsdiskussionen in Berlin nicht mehr wegzudenken. In Fachkreisen der Wasserwirtschaft kursiert darüber hinaus der Begriff "Wasser 4.0". Haben Sie Empfehlungen, wie sich das KWB hier mit seiner Expertise diesen Themen widmen sollte?

Wir sind von KURAS über Wärme aus Abwasser bis zum Smart Metering ja schon mit vielen Themen unterwegs, die mit diesen Schlagworten überschrieben werden können, die wir bisher aber noch nicht so gelabelt haben. "Wasser 4.0", "Smart City" und "Digitalisierung" haben viele Schnittmengen und entwickeln sich rasant zu den Riesen-Themen auch in unserer Branche. Hier wollen die Berliner Wasserbetriebe Vorreiter sein. Dazu kann und soll das KWB wichtige Ansätze liefern. Und diese Lösungen und damit die Expertise des KWB werden dann natürlich auch für Dritte interessant sein.

Für diese neuen, intelligenten Lösungen brauchen wir in erster Linie noch viel mehr Daten, um die Wechselwirkungen in unseren immer komplexeren Systemen besser zu verstehen und damit auch künftige Investitionen noch zielgerichteter einzusetzen. Etwa: Welche Regenmengen mit welchen Frachten gelangen bei welcher Niederschlagsintensität in bestimmte Gewässer und was löst das dann dort genau aus? Wir können auch noch viel mehr über unsere Netze wissen. Wie wir sie langlebiger machen, wie sich Stoffe darin verbreiten können und wie man das verhindert. So können wir nachhaltiger investieren und  bei Havarien oder Anschlägen schneller und präziser reagieren. Aber Voraussetzung dafür sind Sensorik und IT und damit Daten für Modelle und Simulationen.

Das Interview erschien zuerst im November-Newsletter des Kompetenzzentrums Wasser. Wir danken der Redaktion für die Gelegenheit zur Veröffentlichung.


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Ansprechpartner

Edith Roßbach
Edith Roßbach
Finanzen und Administration, Leitung Kompetenzzentrum Wasser Berlin gGmbH (KWB), Geschäftsführung
E-Mail schreiben +49 30 209 69 99 20