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05.02.2014

Technologien für die Stadt von morgen

Nachlese zum 70. Treffpunkt WissensWerte: Smart City


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Es hätte das englische Wort des Jahres werden können - denn mittlerweile zieht es sich durch alle Lebensbereiche: SMART.Das Telefon ist smart, der Fernseher inzwischen auch, ebenso die Ökonomie, die Wohnung und auch die Stadt. Smart City ist ein Begriff, der in vielen Zeitungsartikeln ebenso unverzichtbar ist wie bei wissenschaftlichen und politischen Projektanträgen. Aber was ist darunter genau zu verstehen - Smart City? Wie sieht diese Stadt der Zukunft aus? Wie intelligent muss sie sein, welche Technologien sind dafür nötig?

Zukunftssichere Stadt

„Smart City ist ein Konzept im ständigen Werden“, sagt Prof. Andreas Knie, Geschäftsführer von innoZ, dem Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel auf dem EUREF-Campus. Es gilt, die Stadt zukunftssicher zu machen in Bezug auf den demographischen Wandel, die Veränderungen im Klima und auf die knapper werdenden Ressourcen. Eine Stadt ist ein komplexes Gebilde ganz unterschiedlicher miteinander vernetzter Systeme. Strom, Daten, Gas, Wasser, Kommunikation, Verkehr, Verwaltung, Sicherheit sind nur einige Strukturen, die für das Funktionieren entscheidend sind. Und nicht zuletzt sind die Bewohner selbst Teil der Stadt. Und für die müssten mehr öffentliche Räume und Orte geschaffen werden, fordert die Stadtplanerin Nadine Kuhla von Bergmann, Wissenschaftlerin am Institute for Sustainable Planning and Urban Design der Technischen Universität Berlin. Neben einer hochtechnologischen Verknüpfung und Effizienzoptimierung sollte „Smart City eine Stadt sein, die den Menschen wieder in den Mittelpunkt rückt, die nach den Leitbildern aller Bürger fragt und nicht nach denen multinationaler Konzerne, die versuchen, Produkte an den Markt zu bringen und an Städte zu verkaufen.“

Vernetzte Stadt

Andreas Knie betont, dass Smart City eine sozial ausgewogene Stadt sein müsse, „die nachhaltig organisiert und effizient operiert wird.“ Und zu dieser Nachhaltigkeit gehört der schonende Umgang mit Ressourcen wie Energie oder Wasser. Das erfordere eine vernetzte Stadt, sagt Pascale Rouault vom Kompetenzzentrum Wasser Berlin.

„Wenn wir das schaffen, werden wir Energie sparen und an Lebensqualität gewinnen.“ Beispielsweise ließe sich aus dem Berliner Abwasser etwa 70% des in der Brandenburger Landwirtschaft als Dünger benötigten Phosphors gewinnen. Auch kann die Wärme des Abwassers im Berliner Kanalisationssystem als Heizenergie genutzt werden. Pilotprojekte bei IKEA und einer Schöneberger Sporthalle gibt es schon. „Berlin ist vielfach schon smart“, betont Dr. Rouault und die Anlage der Kanalisation von James Hobrecht und Rudolf Virchow Mitte des 19. Jahrhunderts sei ein Beispiel für eine auch heute notwendige Flexibilität und Nachhaltigkeit in der Planung. Der EUREF-Campus am Gasometer Schöneberg ist ein Beispiel für ein zukünftiges, vernetztes Stadtquartier.Dort wird Energie regenerativ mit Windrädern und Solarpanelen erzeugt zur Versorgung der Gebäude der Firmen und Forschungsinstitute am Campus. Elektroautos sollen zukünftig auch als Energiespeicher dienen. Für den Sozialwissenschaftler Andreas Knie wird die Mobilität der zukünftigen Stadt nicht mehr durch den Besitz von Autos geprägt sein sondern durch die Nutzung unterschiedlichster Verkehrsmittel je nach Bedarf. „Warum müssen wir ein Auto besitzen“, fragt Prof. Knie, „wir kaufen doch auch kein Hotel, wenn wir übernachten wollen.“

Smart City

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Soziale Stadt

Songdon ist eine Planstadt in der Nähe der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Sie gilt als Muster einer Smart City: Fenster öffnen und schließen sich automatisch je nach Wind und Wärme, die Scheiben verdunkeln sich bei Hitze, Verkehr, Versorgungsnetze – alles wird geregelt – nicht der Mensch denkt sondern die Stadt. Anthony Townsend, ein amerikanischer Forscher, der sich mit dem Einfluss von Technologie auf Städte befasst, schreibt: „Das Leben in Smart Cities wird von adaptiven Systemen geprägt, die in Echtzeit auf verändernde Bedingungen im Kleinen und Großen simultan reagieren.“ George Orwells 1984 lässt grüßen. Nadine Kuhla von Bergmann findet solche Projekte grundsätzlich wichtig, um „diese Modelle zu prüfen und zu testen, die Möglichkeiten vielleicht auch den ganzen Wahnsinn auszukosten.“ Doch letztlich ist sie sicher, dass dafür die nötigen Finanzierungsmodelle fehlen. Und auch Andreas Knie ist optimistisch. So werde es nicht kommen, „weil der eigensinnige Mensch sie doch anders behandelt und adaptiert als geplant.“ Entscheidend sei, Dezentralität und Eigenständigkeit zuzulassen und in einem schlauen Netzwerkmanagement zu organisieren. „Dezentrale Denkweise ist wichtig“, meint Pascale Rouault, „ aber wir müssen aufpassen, dass es nicht zur Entsolidarisierung kommt“.

Smart City ist für alle da, nicht nur für die Smarten. Darin waren sich die Experten beim 70. Treffpunkt WissensWerte einig. Smart City sei kein staatliches Technologieprogramm, sondern sie lebe davon, dass die Bürger sich selbst in dieser Stadt einmischen. Andreas Knie: „Das regnet nicht wie Manna vom Himmel, sondern das ist ein Teil von uns selbst und wie smart die Stadt letztlich wird, das liegt ganz allein an uns selbst, die in dieser smarten City wohnen.“

Autor/ Quelle:
Thomas Prinzler (inforadio rbb)

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