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28.05.2015

Smart Home Berlin

Moderne Infrastruktur für Berlins Wohnungen


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Am 28. April trafen sich auf Einladung von Technologiestiftung und Health Capital Berlin-Brandenburg Experten, um zum Thema Smart und AAL: Technische Basisinfrastruktur für die Wohnung zu diskutieren.

An der Veranstaltung „Smart Home und AAL: Technische Basisinfrastruktur für die Wohnung“ nahmen mehr als 50 Gäste aus den Bereichen Elektronik, Informations- und Kommunikationstechnik, Wohnungswirtschaft, Pflege- und Gesundheitswirtschaft sowie Wissenschaft und Forschung teil.

Es besteht Konsens darüber, dass es aktuell bereits viele gute und anwendbare Technologien im Bereich Ambient Assisted Living (AAL) und auch einen Wettbewerb in diesem Bereich, der dazu beitragen kann, die Technik zu verbessern und preisgünstiger zu machen, gibt. Als Herausforderung wurde formuliert, dass aktuell jedoch noch sehr wenig in der Fläche angekommen ist. Angesichts des steigenden Pflegebedarfs und des Mangels an Pflegefachkräften ist es dringend nötig, eine Strategie zu entwickeln und Bündnisse zu schaffen, um am Thema zu arbeiten. Insgesamt wird es  auch als wichtig eingeschätzt, sich stärker am Anwender zu orientieren, vor allem auch weniger einzelne Produkte sondern vermehrt Lösungen für Fragestellungen aus dem Alltag der Anwender anzubieten.

Einen großen Teil der sehr lebhaften Diskussion zwischen Podium und Publikum nahm das Thema Standards ein, was offensichtlich die Relevanz des Themas in der Umsetzung von Smart Home Lösungen widerspiegelt.

So ist aktuell eine Vielzahl von Funkprotokollen in der Verwendung, von denen einige auf unterschiedlichen Standards basieren, andere teilweise aber auch nicht kompatible Eigenentwicklungen sind. Grundsätzlich kann mit allen gearbeitet und eine Integration bspw. über ein Gateway erreicht werden. Eine Einigung auf ein Protokoll scheint kaum realistisch und für den Anwender letztendlich nicht relevant, sofern eine Interoperabilität gegeben ist. Für die Einigung auf Standards oder zumindest die Offenlegung von Protokollen spricht allerdings, das damit Interoperabilität grundsätzlich gewährleistet und die Integration von Systemen deutlich vereinfacht und somit die Kosten gesenkt werden können und der Markt weiter anspringen kann. In der Medizintechnik ist bspw. die Nutzung von Standards, die von Wissenschaftlern entlang von Prozessen entwickelt wurden, längst üblich und verpflichtend. Auch in anderen Bereichen könnten Standards, die auf die Erfordernisse der (Geschäfts-)prozesse – wie Einhaltung der Grundsätze bei der Abrechnung, Vorgaben bezüglich Eichung, Schutz vor Manipulation durch Dritte – eingehen, die Einführung vom Smart Home Lösungen erleichtern.

Schwierig wird die Umsetzung von Standards aber unter anderem, wenn es um die Einbindung der Ärzte geht, die sehr unterschiedliche und oft auch nicht mehr aktuelle Systeme verwenden oder wenn telemedizinische Lösungen, die auf medizintechnischen Standards basieren, als technische Assistenzsysteme in das häusliche Umfeld kommen. Auch ist die Einführung von Standards oder von deutschlandweiten Lösungen sehr langwierig: Wird gewartet, bis diese Fragen hundertprozentig gelöst sind, könnten Anbieter aus anderen Ländern schon längst überholt haben – ein Beispiel dafür ist die am 24. April erfolgte Einführung der Apple Watch. Insgesamt wird aber auch die Abnahme der Verwendung proprietärer Protokolle beobachtet, so arbeiteten bspw. bei der Musterwohnung Ermündigung große und kleine Anbieter mit offenen Schnittstellen zusammen.

Telemedizinfirmen machen oft einen großen Teil ihres Umsatzes im Ausland. Der Blick in andere Länder könnte helfen, bei den dort funktionierenden Lösungen Ansätze zu finden, die auch für Deutschland übertragbar sind. Bei einigen Themen, bspw. Smart Metering, sehen die Lösungen allerdings in jedem Land vollständig anders aus.

Ein weiteres Hindernis bei der Umsetzung von Smart Home Lösungen stellt in Deutschland die strikte Trennung zwischen den am Bau beteiligten Gewerken, die vor allem auch gewährleistungsrechtliche Bedeutung hat, dar. Bei Smart Home Lösungen sind ganzheitliches, gewerksübergreifendes Denken und  Zusammenarbeit gefragt. Aufgrund der aktuell guten Auslastung im Baugewerbe gibt es zudem wenig Druck, sich mit solchen Themen in Schulungen oder Fortbildungen auseinandersetzen. Trotzdem wächst die Zahl der Betriebe, die sich mit Smart Home beschäftigen und untereinander dazu kooperieren. Auch der AAL-Masterstudiengang der HTW Berlin ist ein sehr positiver Schritt und die Verleihung des Smart Home Awards erregt Aufmerksamkeit und regt zum Nachahmen an. Auch ein übergreifender Austausch, wie auf diesem Podium, wäre vor wenigen Jahren noch nicht denkbar gewesen. Wünschenswert wäre auch die Einführung neuer, an die Anforderungen bei der Umsetzung von Smart Home Lösungen orientierter Berufsbilder, dies dauert aber in der Regel zu lange.

Für die Zukunft erhoffen sich die Podiumsgäste mehr Information und Aufklärung zum Thema und eine bessere Kommunikation über den Nutzen, über die Strukturen der Anbieter – sowohl für die Endnutzer als auch die umsetzenden Handwerker. Dazu könnten mehr Musterhäuser oder Pioniere  und weiterführende Projekte, die technologische Lösungen in die Fläche bringen, insbesondere aus der Wohnungswirtschaft, beitragen und damit das Thema in der Fläche voranbringen.


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Ansprechpartner

Anne-Caroline Erbstößer
Anne-Caroline Erbstößer
Innovation Policies & Research Wissenschaftliche Mitarbeiterin
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