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04.07.2014

Sensor, App und Co fürs aktive Leben

Nachlese zum 72. Treffpunkt WissensWerte: Sport frei!


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Von Sensoren, Kameras und Bits und Bytes beim Fußball oder Rennsport, im Trikot oder Sportschuh als Innovationen redet die Fachwelt kaum noch. IT-Anwendungen sind längst zum Co-Trainer geworden. Im Leistungs- wie im Freizeitsport unterstützt Hightech das aktive Leben, optimiert Trainingsabläufe aber auch die Rehabilitation nach Unfällen. Und Satelliten und intelligente Apps für das Smartphone lenken Läufer und Biker durch die Landschaft.

Hightech im Sport (fast) überall

Es gibt inzwischen keine Sportart, bei der Hightech nicht eingesetzt werden kann. Für Prof. Georg Duda, Direktor des Julius Wolff Instituts für Biomechanik und Muskuloskeletale Regeneration sei die Frage lediglich: „Wie können wir es besser machen? Und wo können wir den Sport noch ergänzen und wie sportliche Tätigkeiten unterstützen?“ Auch Startup-Gründer Markus Hallermann, Geschäftsführer der komoot GmbH ist technikaffin. „Da wo Technik nützliche Sachen bringen kann, sollte sie auch eingesetzt werden.“

Torlinientechnologie beim Fußball oder Sensoren beim Speerweitwurf – alles kein Problem, „wenn die Technik funktioniert und keine Belastung darstellt, ist sie sinnvoll“, sagt Alexander Bitzke, Geschäftsführer der FUBALYTICS GmbH.

Spielanalyse für kleines Geld

Bitzke, der Sportmanagement studierte, hat mit seiner Startup-Firma die Amateur-Vereine im Fußball insbesondere auch die Jugendmannschaften im Blick. Die können sich keine teuren Videoanalysesysteme leisten. Bei Proficlubs kostet die Komplettanalyse eines Spiels mehrere tausend Euro, sagt Alexander Bitzke. „Man muss schauen, was möglich ist, mit der Technologie, die sich Clubs leisten können.“ Den Amateurtrainer interessiert nicht die Laufleistung, „dem ist egal, ob der Spieler 12 Kilometer gelaufen ist, sondern ob er richtig gelaufen ist mit und ohne Ball – das möchte er sehen.“ Fubalytics stellt Trainern und Spielern eine Datenbank zur Verfügung, in der diese ihre Fußballvideos online analysieren, Statistiken zu Spielern, Mannschaft und den Gegnern finden, Spieler im Video verschieben und Aktionen kommentieren können. Dies ist eine auf das Notwendigste konzentrierte, softwarebasierte Lösung, die ohne teure Kameratechnik auskommt – das Smartphone allein ist ausreichend. Und daher bewegen sich die Kosten im zwei- und niedrigen dreistelligen Bereich. Bei den Jugendmannschaften von Energie Cottbus und Werder Bremen hat die Nutzung von Fubalytics zum Erfolg und Aufstieg geführt.

Das Wissen, wo es schön ist, ist da draußen

Markus Hallermann vermisste während seiner Münchner Studienzeit ein Navigationsgerät, das ihm sagt, wo es schöne Mountainbike-Touren gibt. Als Physiker setzte er sich mit Freunden zusammen und entwickelte eine App für das Smartphone, mit der sich weltweit Fahrrad- aber auch Wandertouren planen lassen. „Unser Ziel ist es, dass die Leute so einfach wie möglich rausgehen“, so Hallermann. Mittlerweile dauere beispielsweise die Streckenplanung für das Race-across-America-Radrennen von der Ost- zur Westküste nur wenige Sekunden. Die Komoot-App bietet die Planung, die Nutzer können allerdings aktiv ihre Erfahrungen über besondere Strecken mit Texten und Fotos einbringen. „Das Wissen, wo es schön ist, ist da draußen“, sagt Hallermann. Und dessen Vision ist es, die Nutzung der App noch einfacher zu machen. „Ich will die App aufmachen, einen Klick machen und sofort die perfekte Tour haben.“

Sport frei!

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Sensor, App und Co fürs aktive Leben

Podcast zum 72. Treffpunkt WissensWerte

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Das Zusammenspiel von Knochen und Muskeln erhalten

Prof. Duda forscht u.a. in der Sportforschungshalle der Humboldt Universität zu Berlin die Bewegungsabläufe beim Sport. „Ziel ist zu verstehen, wie viel Bewegung ist nötig? Oder auch: Wie verändert sich die Wirbelsäule des Einzelnen über das Älterwerden?“ Möglich sind dabei Analysen für den Einzelnen aber auch Anregungen für Arbeitgeber für die ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes. Die Sportforschungshalle ist vollgepackt mit Kameras, Sensoren und hochkomplexer Software zur exakten Analyse des Zusammenspiels von Knochen und Muskeln beim Joggen, Basketball oder beim Sitzen, zur Leistungsdiagnostik und sportlichen Feldforschung. Sport sei wichtig, um den Körper langfristig zu erhalten, meint Georg Duda, aber „manchmal versagen Strukturen – wenn Verletzungen eintreten oder wenn wir ständig eine Bewegung oder Aktivität falsch machen, nicht so, wie unser Körper gebaut ist, dann gibt es einen Verschleiß“. Das zu erkennen und Abhilfe zu schaffen ist auch Aufgabe der Sportforschungshalle. „Wir wollen Richtwerte und Anregungen geben, wie man es besser machen könnte.“

Und da wäre auch eine Kooperation mit einer Aktivitäts-App wie komoot oder mit Fubalytics vorstellbar, um dort beispielsweise medizinische Grenzwerte und Empfehlungen zu integrieren.

„Mich würden solche Grenzwerte interessieren“, sagt Markus Hallermann. Mit komoot könnte dann zum Beispiel eine Tour zusammengestellt werden, die die empfohlene Leistung von 60 Watt nach einer Meniskusoperation bei einer Fahrradtour nicht überschreitet. Man könne heute schon nicht medizinisch perfekt aber „Leitlinien allgemeintauglich über ein Gerät an die Leute bringen, weil jeder einen großen Teil der Sensoren mit sich in seiner Tasche trägt“ – im Smartphone. Und so tragen Sensor, App und Co viel zum notwendigen sportlichen Leben bei.

 „Vor allem wegen der Seele ist es nötig, den Körper zu üben, und gerade das ist es, was unsere Klugschwätzer nicht einsehen wollen.“ Jean Jaques Rousseau

Autor/ Quelle:
Thomas Prinzler (inforadio rbb)

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