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29.10.2013

Linsen, Reflexe, Bewegung und Gesundheit

Auf Einladung der Technologiestiftung tauschten sich rund 120 Architekten und Designer mit Forschern und Entwicklern über neueste technologische Möglichkeiten aus.


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Licht hat einen wesentlichen Einfluss darauf, wie wach oder müde Menschen sich fühlen. Moderne Design- und Architekturkonzepte nehmen diese Erkenntnis auf und entwickeln Räume, die den Biorhythmus des Menschen unterstützen, geistige Aktivitäten und einen gesunden Schlaf fördern.

Umgebungsgestaltung mit Licht kann Stress mindern. In Krankenhausumfeldern sowohl für angstbehaftete Patienten als auch für das Personal.  Dass man wesentlich mehr bewirken kann, zeigte Günter Hohensee von der Philips GmbH: Biologen wissen schon lange, dass Blauanteile im Licht den Tag-Nacht-Rhythmus steuern. Zeitgemäße Lichttechnik kann mit regelbarer Farbtemperatur diese biologischen Mechanismen ansprechen und so wahlweise für besseren Schlaf oder bessere Konzentration und Aufmerksamkeit sorgen. Das geht mit LED oder OLED flächig an der Decke oder auch integriert in Wandtextilien. Diese lässt sich auch mit Lichtkonzepten kombinieren, die ein gewolltes Maß geistiger Anregung erzeugen. Schöner und weniger langweilig als herkömmliche Beleuchtung ist das allemal, es kann aber auch die Gesundung unterstützen.

Den genauen Beitrag zur schnelleren geistigen Mobilisierung von Intensivpatienten und zur Vermeidung von Delirien erforscht man gerade in einer neuartig gestalteten Intensivstation an der Charité. Dafür hat man gemeinsam mit GRAFT Architekten und der ART+COM AG, beide aus Berlin, Geräuschquellen intensivmedizinischer Geräte eliminiert und einen Beleuchtungsschirm gebaut, der das Sichtfeld des liegenden Patienten berücksichtigt und geplante Lichtsteuerungen ermöglicht.

Lichtbündelung mit flüssigen Linsensystemen war das Thema von Peter Laborenz von der Lumicell CPV-Systems GmbH. Mit der Technologie sind lichtbündelnde Linsensysteme flexibler und preiswerter zugänglich als mit Vollglas-Lösungen. Eigentlich für Hochleistungs-Photovoltaik entwickelt, halten die Erfinder jedoch auch die Anwendung zur Lichtbündelung in der Architektur für naheliegend.

Prof. Dr. Erhard Kemnitz von der Humboldt-Universität stellte ein neuartiges an der HU erfundenes Beschichtungssystem, beruhend auf nanopartikulären Metallfluoriden vor, das Reflexion an Glas- und Polymeroberflächen vollständig verhindert und die Oberflächen dabei noch härtet. Über ein spin-off, die nanofluor GmbH ist die Technologie inzwischen am Markt und die ersten Flachglashersteller arbeiten an der Einführung. Für Architekten und Designer ist das Material für Anwendungen im Innenbereich wie reflexfreie Museumsgläser verfügbar. Versionen für wetterbelastete Außenanwendungen sind in Arbeit.

Erwünschte Reflexe und bewegtes Licht als neuartiges Medium zeigte Jussi Ängeslevä von der ART + COM AG in einer Präsentation von Projekten an der Schnittstelle zwischen Gestaltung, Kunst und Technik. Reflexe komplexer Facettenoberfächen, die Botschaften auf der angrenzenden Wand erzeugen. Bewegliche im Raum hängende Elemente, reflektierend oder selbstleuchtend, die den Weg zum dreidimensionalen Display zeigen. So entstehen neue Präsentationsmittel aber auch neuartige Leuchten oder Konzepte für Räume. Die gezeigten Beispiele führten nicht nur eine beeindruckende Technikbeherrschung vor – man denke alleine an die Berechnungen, die für Entwicklung solcher Oberflächen oder die Steuerung der Installationen nötig sind. Die Installationen sind auch von einer so beeindruckenden Ästhetik, dass dem Autor entgegen seiner Gewohnheiten keine Fragen mehr einfielen.

 Einen ersten Zugang zu weiteren Forschern und Entwicklern, die mit der Funktionalisierung von Oberflächen Materialien und Werkstoffe intelligenter machen oder ganz neue Werkstoffeigenschaften zugänglich machen, bietet die TSB-Wissenslandkarte Intelligente Oberflächen.


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Ansprechpartner

Christian Hammel
Dr. Christian Hammel
Innovation Policies & Research Leitung
E-Mail schreiben +49 30 209 69 99 30